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Die Renovation der Ginsterfarm

An schönster Lage: Zwei zerfallene, seit über 40 Jahren leerstehende Häuser ohne Zufahrt, ohne Strom, ohne Telefon, ohne fliessendes Wasser, ohne Abwasseranschluss. Einzige Heizmöglichkeit ist ein Räucherkamin in der Küche. Von Anfang an war klar, dass bei beiden Häusern mit Ausnahme der Grundmauern und des tragenden Eichengebälks alles abgebrochen und neu erstellt werden muss.


 

1993: Erster Überblick bei tristem Novemberwetter

Vorsichtig werden Häuser und Umschwung soweit möglich erforscht. Vieles ist zerfallen, Brombeerdickicht versperrt die Wege. Beide Dächer sind stark beschädigt, trotzdem sind die ein Meter dicken Aussenmauern und das wuchtige Eichengebälk noch relativ gut erhalten. Ausschlaggebend für den Kauf war schliesslich die sehr schöne und ruhige Alleinlage der alten Farmruine, die gut erhaltenen Sandsteinbogen, Eichenbalken und Grundmauern sowie der grosse, verwilderte 1 ha Umschwung.

 
 
 
 

Alte Küche und Wohnzimmer, Kämmerchen, Stall, Scheune, Heuboden

 
 
 

Winter 1993/1994: Modelle und Pläne

Die Ginsterfarm besteht aus einem Haupthaus mit Wohntrakt, Scheune und Kuhstall, sowie einem Brotbackhaus, in dem nebst dem Ofen die Ställe für Schweine und Hühner untergebracht waren. Das Haupthaus zeigt die Aufteilung einer typischen Vogesen-Ferme: im Erdgeschoss Küche und Stube, Scheune und Stall; im 1. Stock zwei kleine Schlafkämmerchen. Der Rest des 1. Stockwerks sowie das 2. Stockwerk dienten als Heuspeicher. Die riesige Heumenge, mit der der weitaus grösste Teil des Hauses im Winter gefüllt war, isolierte vermutlich besser als heutige Baumaterialien. Im Herbst wurde der Speicher gefüllt, den Winter durch verfüttert, und wenn es wieder wärmer wurde leerte er sich allmählich.

Ostseite mit Rundtor, Nordseite mit irgendwann erweiterter eckiger Einfahrt. Im Modell unten links zu sehen: die grosse Brücke, die vom Nordtor bis an die Südwand führte.

Westseite mit 2 kleinen Stallfenstern und Südseite mit 2 Stubenfenstern und kleiner Giebelöffnung. In der Mitte die Scheune mit 2 kleinen Stalltüren nach Norden

Im "OG II" die Heubrücke und die verschiedenen Ebenen

Brotbackhaus mit Holzofen und Kleintierställen

 

Ostfassade und Schnitte West - Ost (von Süden her gesehen)

EG v.l.n.r. im Erdgeschoss Eingang zur Küche, Scheune, Stall. OG1 v.l.n.r. die beiden Schlafkämmerchen, das Fenster rechts führt zum Heuboden

Schnitt A-A: EG mit Küche und Stube, OG1 rechts die südliche, höhere Kammer mit Kamin

Schnitt B-B: im EG die Scheune mit den drei Türen zum Stall, OG1 rechts die mittlere, niederere Kammer

Schnitt C-C: EG mit Stall, Rest Heuboden; deutlich sichtbar die Brücke, die über das Nordtor zugänglich ist

 

Grundrisse und Schnitt Süd-Nord (von Osten her gesehen)

Südfassade

Grundriss EG: links unten Küche, dahinter Stube und vermutlich ein Schlafzimmer; in der Mitte die Scheune, hinten ein gemauerter "Tunnel"; (Keller); rechts der Kuhstall

links unten die grössere, in der Mitte die kleinere Schlafkammer;  der Rest diente als Heuboden. Die beiden mittleren Mauern sind nur eingeschossig

Schnitt D-D: links Küche mit Kamin, in der Mitte der hohe Torbogen zur Scheune, dahinter der Keller; im OG die beiden Schlafkammern; rechts der Stall

unten die Fenster von Stube und Schlafzimmer; OG1 ohne Fenster, "OG2" mit drei Lüftungsfenstern zum Heuboden und zur Brücke

Westfassade (nicht abgebildet): geschlossene Mauer bis auf zwei kleine Stallfenster (oben im Schnitt D-D sichtbar) und ein winziges Fensterchen im Keller
Nordfassade (nicht abgebildet, ähnlich C:C): nur Nordtor zum "OG2"; da das Haus an eine Felswand gebaut wurde, ist von Norden her nur der obere Teil sichtbar (Schnitt C-C), Stall und Teile des Heubodens sind durch die Felswand geschützt

 

Infrastruktur vor Ort während der Bauzeit

Übernachten im Zelt, bei Regen wurde das Zelt im Haus aufgestellt, Kochen auf dem Feuer, Buschdusche und etwas abseits das stille Örtchen

 

1994 Beginn der Renovationsarbeiten

Dach Wohnhaus und Brotbackhaus

Als erstes mussten umgehend die Dächer beider Häuser dicht gemacht und renoviert werden. Damit war der weitere Zerfall erst einmal aufgehalten. Das Dach des Haupthauses wurde durch eine Firma renoviert und neu eingedeckt.  Die Steinplatten des Wohnhausdachs (die untere Hälfte des Daches) wurden sorgfältig abgeräumt. So konnten wir sie später reinigen, sortieren und für das Dach des Brotbackhauses verwenden.

 

Nebengebäude "Brotbackhaus"

Wir begannen die Renovationen mit dem kleinen Nebengebäude, dem Brotbackhaus. Das Dach wurde abgedeckt und der Dachstock vollständig erneuert. Danach erfolgte die Neueindeckung mit den alten Steinplatten. Jede Steinplatte hat andere Masse und ist unterschiedlich dick. Mach mehrmaligem Neubeginn wissen wir wie's geht. Mindestens 3 Platten müssen stets übereinander liegen, jede dritte Reihe wird mit Nägeln fixiert. Das sortierte Steinplattenlager bewährt sich. 5 Reihen sind pro Tag zu schaffen. Höchstens! Mehr als ein Jahr Wochenend- und Ferienarbeit waren dafür notwendig.

 
 
 

Innen befinden sich der Backraum mit dem Brotofen, ein weiterer Bogenkeller, zwei Kleintierställe und ein kleiner Heuboden. Die Ställe werden nun als Werkstatt genutzt.

 

Wohnhaus

Nordseite

Das irgendwann ausgebrochene, riesige Nordtor wurde wieder auf das ursprüngliche Ausmass verkleinert. Die morsche Heubrücke wurde abgebrochen und ersetzt durch eine Aufschüttung, in der sich nun der Regenwassertank befindet.

 

Ostseite

Dies ist auch heute noch die Hauptseite des Hauses, sie wurde nur renoviert und ansonsten in ihrem Urzustand belassen.

 
 
 

Südseite

Im ersten Stock, ursprünglich dem Heuboden, wurden zwei zusätzliche Fenster erstellt

 
 

Westseite

Im ersten Stock wurden drei zusätzliche Fenster erstellt. Auf dieser Seite des Hauses wurde auch der Gemüsegarten angelegt.

 
 

Innenausbau

Das gesamte Haus wird bis auf die Grundmauern und das tragende Eichengebälk entkernt. Die alten Baumaterialien wie Sandsteine und Eichenbalken werden soweit möglich gereinigt, instand gesetzt und wieder verwendet. Der Boden wird 40 cm tief ausgekoffert, eine Kies- und Sandschicht wird eingefüllt, darüber eine Folie, danach mehrere Betonüberzüge, die die verschiedenen Leitungen enthalten (Wasser, Abwasser, Elektrisch, Bodenheizung).

 

Erdgeschoss: ehemalige Küche mit Räucherkamin

Die alte Küche bleibt weitgehend im Urzustand, nur die steile kleine Treppe ins obere Stockwerk wurde abgebrochen. Die alte Pumpe wurde repariert, das ehemalige Küchenfenster renoviert und anstelle der morschen Holzkasten eingesetzt. Unter weissen Farbschichten kamen graue und rote Sandsteine zum Vorschein. Boden und Decke wurden ausgebessert und konnten erhalten werden.

 

Eine der tausend Details und "Kleinigkeiten": Die defekte alte Wasserpumpe wird zerlegt und gereinigt. Es wird eine Konstruktionszeichnung erstellt, hiermit können Ersatzteile gesucht, bzw. selbst hergestellt werden. Die hier schon lange nicht mehr erhältlichen Lederdichtungen wurden uns aus Australien mitgebracht. Sie sind geringfügig kleiner (2.5 Inches = 63.5 mm statt 65 mm) und die bohnenförmigen Ausschnitte müssen selber ausgestanzt werden, aber die Pumpe funktioniert wieder.

 

Erdgeschoss: ehemalige Stube und angrenzende Kammer

Hier musste alles inkl. Decke und Boden abgebrochen und erneuert werden. Die alten Eichenbalken wurden soweit möglich wieder verwendet oder durch Balken aus dem Stall ersetzt. Zwischen Stube und Scheune wurde ein Durchgang ausgebrochen und mit den teilweise herumliegenden Sandsteinen und Balken ausgebaut. Neu entstehen hier Küche (im Aufbau) und Essecke.

 

Zusammenfassung der Hauptarbeiten am Beispiel Küche

Nicht dargestellt wie immer: tausende Überraschungen, Details und Kleinigkeiten, die jeweils spezielle Lösungen erfordern. In einem über 150 Jahre alten Haus ist nichts gerade und nichts entspricht irgend einer Norm. Alles muss von Hand angepasst werden.

räumen, Holzwand abreissen, Schutt entsorgen Holzboden abreissen, ausgraben alten Putz entfernen, Kies- und Sandschicht, Abwasserleitungen Balkendecke und Fensterstürze sanieren, sandstrahlen, neu einmauern

Mauerdurchbruch, Sandsteinfassung aus alten Steinen

Fenster, Kamin, Elektroleitungen, Betonüberzug, Grobputz

Wasserleitungen, Feinputz

Bodenheizung, Betonüberzug

Plattenboden

rausgeworfene und wieder eingezogene Bilche erneut rauswerfen (sie muckern)

Wände streichen, Fenstersimse herstellen und einbauen

provisorische Küche mit Kochkiste
 

Erdgeschoss: ehemalige Scheune und Keller

Hier wurden die Sichtsteinmauern sandgestrahlt und danach neu verfugt. Die Stallmauer rechts muss auf dieselbe Höhe wie die Zwischenmauer links gebracht werden. Die nur 1.65 m hohen Stalltüren werden ebenfalls erhöht. Der mit dicken Seitenmauern versehene "Tunnel" wurde nach aussen mit einer Doppelmauer isoliert und dient nun als Wasserkeller. Hier befinden sich Trinkwasservorrat, das Hauswasserwerk und das Wasserfilter. In der ehemaligen Scheune wird eine neue Treppe zum ersten Stockwerk eingebaut. Sie ersetzt das steile Treppchen aus der alten Küche ins Schlafkämmerchen.

 

Erdgeschoss: ehemaliger Stall

Der dunkle Stall liegt mit der Nordseite gegen die Felswand, die sich hinter beiden Häusern durchzieht. Hier waren eine extra Drainage und weitere abdichtende Massnahmen notwendig. Zwei kleine Fenster im Westen, sowie der Hauptzugang und ein kleineres Fenster auf der Ostseite sind die einzigen Öffnungen. Der Stall wird mit Backsteinmauern in drei Teile getrennt, gegen Westen liegt ein Badezimmer / Wirtschaftsraum. Hier fehlt noch die Decke.

Gegen Osten entsteht eine Werkstatt mit Ausgang in den Hof. Auch hier wird ein passender Fenstersims getöpfert. Nach Westen, im Mittelteil, führt ein Gang zum Bad, daneben liegen die Heizung und der Tankraum.

 

1. Stock: ehemalige Schlafkämmerchen über Küche und Scheune

Über der alten Küche befinden sich zwei Schlafkämmerchen, der Rest des gesamten Stockwerks diente als Heubühne. In beiden Kämmerchen muss die Decke erhöht werden, Mauern, Böden und Decken werden saniert und neu aufgebaut. Ein Durchbruch (neben dem alten Holzkästchen) ersetzt den ehemaligen Zugang über die steile Küchentreppe. Die Tür- und Fensterumrandungen aus Sandsteinen, ursprünglich verputzt, werden nur sandgestrahlt und neu verfugt.

 Der ursprüngliche Zugang zu den Schlafkämmerchen führte direkt aus der alten Küche nach oben. Eine Falltür verschloss den Aufgang. Oben im Bild noch zu sehen: das kleine Treppchen, das ins hintere Kämmerchen führte. Auch dieses wurde durch ein handgefertigtes neues ersetzt.
 

1. Stock: ehemaliger Heuboden, Südseite

Nach Süden werden zwei, nach Westen drei Fenster ausgebrochen. Der ganze Raum bleibt offen, ein Brücklein verbindet Süd- und Nordteil, eine Treppe führt zum obersten Boden.

 
 

1. Etage: ehemaliger Heuboden, Nordseite

hier werden nach Osten ein Schlafzimmer und nach Westen ein Bad abgetrennt.

 
 

2. Etage: ehemaliger Dachstock mit Brücke und Heubühne

Die typische Brücke auf der Nordseite des Hauses setzte sich im Haus fort. Von hier aus wurde das Heu ins erste Stockwerk entladen. Das Nordtor wurde irgendwann bis unters Dach erweitert, um mit Maschinen ins Haus fahren zu können. Es wurde ersetzt durch einen Torbogen in den alten Ausmassen. Auch die etwas lieblos abgesägten Eichenbalken wurden vom Zimmermann mit einer Spezialkonstruktion wieder unterstützt. Das oberste Stockwerk war vorher nur von aussen her zugänglich und wird neu durch eine Treppe erschlossen.

 
hier fehlen noch die Trittschall-Isolation und der Holzboden
 
 
 

Infrastruktur

Zufahrt

Nur im Sommer romantisch: unbefestigter Grasweg zum Haus. Ein neuer Weg mit Sandbett und grobem Kies wird 2002 erstellt. Kurze Zeit später ist der Mittelteil bereits wieder grün.

 

Elektrisch

1995 wird Strom 200 m entfernt "angezapft" und unterirdisch zum Haus geführt. Eine provisorische Baustellen Installation mit einer Steckdose bleibt für viele Jahre die einzige Stromquelle und wird später durch die endgültige Installation ersetzt. Zurück bleibt die übliche Verwüstung durch Baumaschinen, die glücklicherweise bald wieder zuwächst.

 

Wasserversorgung

Die ehemalige Wasserversorgung des Hofes bestand einerseits aus einem Brunnen, der von zwei Quellen gespeist wird und hauptsächlich als Viehtränke diente. Die Küche wurde mittels einer Schwengelpumpe aus dem Sodbrunnen direkt unter dem Küchenfenster mit Wasser versorgt. Messungen von Quelle und Sodbrunnen über mehrere Jahre ergaben Richtwerte für die Wasserversorgung.  Zur Verfügung stehen max. etwa 900 Liter pro Stunde, in sehr trockenen Sommern, meist im August, min. 6 Liter pro Stunde aus den Quellen und aus dem Sodbrunnen etwa 20 Liter pro Stunde.

Die zerbrochene Pumpe wurde zerlegt, gereinigt und repariert. Die hier schon lange nicht mehr erhältlichen Lederdichtungen wurden uns aus Australien mitgebracht und mussten leicht angepasst werden. Damit konnte die schöne alte Pumpe vollständig wieder instand gestellt werden.
 

Trinkwasser für Küche und Bad

Aus dem Sodbrunnen wird Quellwasser nach Bedarf in zwei Vorratsbehälter gepumpt. Diese fassen total 2200 Liter. Ein kleines Hauswasserwerk pumpt das Wasser durch ein Katadynfilter® ins Leitungssystem und zur Heizung (für Warmwasser). Das Filter erreicht einen Durchsatz von 15 l/min bei 4 bar und max. 21 l/min bei 6 bar. Als Wasserkeller dient der kühle "Tunnel" am Ende der Scheune.

 

Regenwasser für Garten, Waschmaschine und Toiletten

 Das Dachwasser wird durch ein Grob- und Feinfilter in einen 9000 Liter Tank geleitet. Der Überlauf fliesst ins Gartenwasser. Ein kleineres Druckgefäss mit Pumpe versorgt Waschmaschine und Toiletten. Im felsigen Untergrund kann der Tank nicht eingegraben werden, er wird unter der ehemaligen Brücke platziert und der Graben zwischen Haus und Zufahrt wird aufgeschüttet. Die Dachfläche beträgt einiges über 200 m2, die durchschnittliche Niederschlagsmenge in diesem Gebiet etwa 80 mm pro Monat (80 l / m2 pro Monat). So kommen rund 19'000 l Regenwasser pro Monat zusammen, das reicht bestens für alles.

 
Für Treibhaus und Garten wird der Überlauf aus dem 9000 l Tank in zwei Reservoirs (5000 l) geleitet. Das Schlauchsystem wird über Höhendifferenzen und Tropfer geregelt.
 

Abwasser

Bei Dauerregen wird im November 2002 das Abwassersystem gebaut. Das gesamte Abwasser verlässt das Haus auf der Südseite. Dasjenige der Küche wird zuerst durch ein Fettfilter geleitet und danach zusammen mit dem übrigen Hausabwasser in einem Mehrkammersystem biologisch abgebaut.

 

Isolation und Heizung

Müssen meterdicke Bruchsteinmauern isoliert werden? Ein Wärmedämmwert oder irgendwelche Erfahrungswerte sind auch nach ausführlichen Recherchen nicht zu finden. Es werden schliesslich das gesamte Dach und die gesamte Nordseite, sowie Westseite und Teile der Ostseite in der 1. Etage isoliert.

Die Heizung wird leider (!) mit Öl betrieben. Geplant war eine Erdbohrung (Sole) mit Wärmepumpe, es war jedoch damals unmöglich, eine Firma für die Realisierung zu finden. Der Kostenvoranschlag einer weit entfernten Firma lautete schliesslich beinahe auf das fünffache einer üblichen Heizung und war nicht mehr bezahlbar. Übliche Heizungen sind hier Elektrisch, Öl und Stückholz (keine Pellets!). Also Fussbodenheizung mit Niedertemperatur Ölheizung und zwei zusätzliche Holzöfen. Für diese wurden zwei zusätzliche Kamine samt Kaminfegertürchen gebaut.

 

Telefon, Radio, Glotze, Internet

rien du tout
in einiger Entfernung verläuft eine Telefonleitung, es ist jedoch nicht möglich, eine verbindliche Zusage für eine Zuleitung zu erhalten. Der Empfang für Mobiltelefone ist hier mässig, im Garten zeitweise, im Haus nicht möglich. Mittels Mobile Repeater wird das Signal für die Mobiltelefone verstärkt, so dass der Empfang im Haus funktioniert. Eine weitere Möglichkeit ist eine Verbindung via Satellit, für TV bereits länger bekannt. Seit Beginn 2008 ist auch eine langsame 2-Weg Kommunikation via Satellit für Internet, Radio und Telefon zu halbwegs erschwinglichen Preisen möglich.

 

schon beinahe vergessen:

Baufehler und andere Ärgernisse

"Un paradis isolé", ein abgelegenes Paradies, nannte es einer der Elektriker, der die Baustelle gesucht hatte. Ein langer Weg von der Ruine zum Traumhaus und ein abenteuerliches Projekt, grösstenteils erfreulich, aber einige Ärgernisse gab es natürlich.
Und:
Es braucht mehr Zeit als gedacht. Viel mehr!
Es braucht mehr Geld als vorhanden. Viel mehr!
Es brauch mehr Nerven als vermutet. Genau!

 

Baubewilligung

Die Baubewilligung ist u.A. abhängig von der Qualität des Quellwassers (= Trinkwasser). Dieses wiederum hat nicht zu jeder Jahreszeit dieselbe Qualität. Deshalb:
Baueingabe, Wasseranalyse, Baueingabe, Wasseranalyse, Baueingabe, Wasseranalyse.....

Das Problem wird in Frankreich üblicherweise dadurch behoben, dass Javellauge in die Brunnenstube gekippt wird. Dies wiederum ruft die Umweltschutzbehörde auf den Platz, da sich die Farm im Naturschutzgebiet befindet. Glücklicherweise wurde schliesslich unser Vorschlag akzeptiert, die Wasserprobe mit derselben Anlage im Kleinstformat (kleines Katadynfilter) zu entnehmen, die später in gross im Haus eingesetzt würde.

Die übrigen Baueingaben sind ebenfalls nicht ganz einfach (Fremdsprache, Fachwissen, Gesetzgebung), so dass wir nach dem dritten vergeblichen Versuch aufgaben und das Ganze einem Architekten übergaben. Hätten wir gleich so machen sollen.

 

Baufehler

sie hielten sich glücklicherweise im Rahmen

Tor am falschen Ort eingebaut und dazu die extra angefertigten Angeln fürs Holztor kurzerhand abgefräst ...
Uuups! die Öltanks passen trotz Berechnung des Baumeisters nicht rein; die Rückhaltemauer muss ausgeschnitten und später wieder zugemauert werden
Der ärgerlichste Fehler: viel zu früh wurden die Fenster eingesetzt. Es wurde noch betoniert und verputzt, Wände und Böden sind nass, überall Kondenswasser. An den Fenstern entstehen Schäden, die Scharniere rosten. Und selbstverständlich ist niemand verantwortlich dafür.
 

Warten auf Handwerker

Der Grossteil kam termingerecht, arbeitete gut bis sehr gut, und die Rechnungen entsprachen etwa dem Kostenvoranschlag.
Aber mehr als einmal ... ein Beispiel:

September: diese Arbeiten könnten dieses Jahr noch gemacht werden. Kostenvoranschlag unterschrieben
Oktober: nein, sie haben noch nicht angefangen, aber sie werden das Material bestellen
November: nein, immer noch nicht, und bei Schnee können sie nicht mehr auf die Farm kommen. Es hat keinen Schnee.
Dezember: immer noch keinen Schnee. Frohe Weihnachten und gutes neues Jahr
Januar/Februar: Schnee
März: der Schnee ist weg, aber es könnte nochmal schneien
April: ja, sie kommen, aber das Material muss noch bestellt werden. Soso. Dachte, das wäre im Oktober bestellt worden ???
April Mitte: sie werden das Material jetzt bestellen
April Ende: welches Material? Ich kriege einen Tobsuchtsanfall. Nutzt auch nichts.
Mai: das Material ist bestellt. Wirklich?
Juni: das Material ist zwar bestellt, aber wegen Ferien kann nicht geliefert werden
Juli: jetzt haben sie selber Ferien
August: immer noch Ferien. Oder Streik. Oder sonst was.
September: nein, das Material ist noch nicht da
Oktober: ja, das Material ist da, aber jetzt sind die Handwerker auf einer anderen Baustelle
November: bei Schnee können sie nicht mehr auf die Farm kommen. Es hat keinen Schnee!!!
Dezember: kein Schnee. Das Material ist da, die Handwerker sind auch da, sie arbeiten wie im Akkord, haben die Heizung voll aufgedreht und alle Türen weit geöffnet. War wohl zu warm drinnen. Aber Hauptsache, sie sind endlich da. Und die Arbeiten sind wunderschön geworden. Wirklich!
 

1994 - 2009 ein Abenteuer geht zu Ende

Anfang 1994 begannen wir mit ersten Renovationsarbeiten, geschätzter Aufwand 10-15 Jahre Wochenend- und Ferienarbeit. 2009, nach 15 Jahren, sind die Renovationen zwar noch nicht ganz abgeschlossen, aber die noch zu erledigenden Arbeiten werden allmählich überschaubar. Die Schallisolation und der Boden im OG II und die Decke in der Dusche fehlen noch, auch die Öfen müssen noch angeschlossen werden. Aber das Haus ist bewohnbar, die Zeiten von Zelt und Buschdusche sind vorbei. Aus der Ruine ist ein schönes, gemütliches Haus geworden, das seinen einmaligen Charakter grösstenteils bewahren konnte. "Un paradis isolé" nannte es einer der Handwerker, ein abgelegenes Paradies.


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